Sonntag, 10. Januar 2016

Flauschokalypse Vol. III und IV: Flauschamination und Flauschutation

Ich wollte diesen Artikel eigentlich so beginnen:

Leser dieses Blogs kennen das Prozedere schon: Ein Jahr ist vorbei, und um Weihnachten herum nehme ich mir die Zeit ein Klavieralbum einzuspielen. Dies habe ich nun das vierte Mal in Folge getan, und langsam wird es zur Gewohnheit - und das, obwohl ich seit Mai 2015 zum abhängig beschäftigen Teil der Bevölkerung zähle und dafür eine Woche Urlaub nehmen musste!

Aber wie ich so auf mein Blog schaue, merke ich dass ich diese Alben zwar jährlich veröffentliche, aber im Gegensatz zu Nummer eins (Flauschsplosion) und Nummer zwei (Flauschout) die letztjährige Nummer drei (Flauschamination) nicht einmal verbloggt habe!

Ich habe Flauschamination sträflich vernachlässigt, und das trotz des großartigen Covers, das dieses Mal von meiner Freundin Nana Vierzehn stammte. (Sie ist neben ihrer offensichtlichen bildnerischen Begabung auch eine großartige Musikerin. Wenn die Welt Glück hat, schaffen wir irgendwann mal eine Kollaboration. <3)



Um Goethe zu zitieren: Nun steh' ich hier, ich armer Tor, und schreib' was zu dem Album von davor - denn das kann ich dem armen, vernachlässigten Flauschamination nicht antun. Da habe ich ja etwas vor.

So ein Album ist ja ein Herzensprojekt. Zumindest bei mir steckt da all mein Bums drin. Wäre das nicht so, steckte nur ein Teil meines Bumses'es darin, so wäre es ja auch nur ein Teilbum. (Sorry, not sorry for that pun.) Zum Hören hier der Player für Flauschamination:



Flauschamination war anders als die beiden vorangegangenen Alben, mit kürzeren Stücken. Seit ich vor ca. 10 Jahren mit der Klavier-Impro-Aufnehmerei angefangen habe, tendierten meine Stücke dazu sich in der hundertsten Wiederholung der Idee zu verlieren. Einige Stücke waren über 20 Minuten lang, und das bei im Vergleich zu meiner heutigen Musik eher dürftiger Ideengröße! In Flauschamination wurden die Stücke kürzer und damit hoffentlich prägnanter.

Auch andere Dinge waren neu: die Titel der Stücke habe ich im Gegensatz zu den ersten beiden Stücken in englischer Sprache ausgeführt weil.... nun. Das internationale Internet spricht Englisch, und nachdem mein Ego feststellte, dass Menschen meine Musik in ihre Videos einbauen wollte ich auch ein bisschen mehr gefunden werden.

(Geltungssucht ist ein starker Motivator. Wo ich sie gefunden habe, sammle ich die Verwendungen meiner Musik (und meiner anderen Werke - verschachtelte Klammern ftw! (wird dieser Text dadurch unlesbar? (kümmert mich das? (sollte ich diesen Gag wirklich so sehr auf die Spitze treiben? (ja, ich habe jeden Einschub abwechseln kursiv und normal gestellt. Das gehört doch so, oder?)))) übrigens kommentiert in diesem Google Doc. Da einiges an skurrilem Kram dabei ist, empfehle ich die Lektüre auch für Menschen, die mich ob der Existenz dieser Liste und ganz besonders ob ihres Ausmaßes - zurecht - für zumindest ein wenig narzisstisch halten.)

(Das war eine Menge Text in Klammern, für den alle meine Deutschlehrer mich sicher - erneut zurecht - geschlachtet hätten. Aber das ist das Schöne am Erwachsensein, man muss sich nur vor sich selbst und den Trollen für seine Texte verantworten.)

(Jetzt habe ich das schon wieder in Klammern geschrieben! Ich schweife ab.)

Ich hoffe, dass ich dem armen Flauschamination mit diesen kurzen Worten zumindest ein wenig zu verspäteter Genugtuung verholfen habe. Aber nun zum aktuellen Album!

Meine passenderweise Flauschokalypse getaufte Albumserie musste natürlich auch in ihrer vierten Fortsetzung einen passenden Titel erhalten. Und was folgt auf Explosion, Fallout und Kontamination? Richtig, Zombies! Da ich trotz Unterstützung und Reinigung der Kreativität mit Ethanol aber kein Kofferwort aus Flausch und Zombie finden konnte das gefiel, musste dieser Weg verlassen werden. (Flombie? Flauschombie? Flauschie? Ihr merkt schon.)

Der neue Albumtitel wurde also Flauschutation.


Auch dieses großartige und endlich mal passend zur Flauschokalypse auch gruselige Cover stammt aus der Feder der großartigen Nana Vierzehn. Auch der Hase, bekannt aus dem Cover des zweiten Albums, ist zurück, diesmal klischeegerecht in größerer Anzahl als zuvor. Jetzt wissen wir auch, was er während des dritten Albums so getrieben hat. ;-)
Und bevor jemand fragt: der Drache ist nicht tot. Er ist genauso wie die Häschen untot! So grausam wollte ich dann doch nicht sein. Außerdem brauche ich ihn ja noch für weitere Alben als Protagonisten.

Hier das Album zum Anhören beim Weiterlesen.

Wie, es läuft noch Flauschamination von weiter oben? Tja. Setzt eure Prioritäten. Das Internet ist geduldig, ich kann hier auch auf euch warten. In keinem Fall konnte ich zwischen die Anhörmöglichkeiten so viel sinnvollen Text schreiben, dass das zeitlich gepasst hätte.



Im Gegensatz zu Flauschamination sind die Stücke wieder ein bisschen länger geworden, und das Album erreicht wieder eine Stunde Spielzeit, wenn auch nur knapp. Technisch habe ich mich dieses Jahr nicht so sehr weiterentwickelt, ich hoffe aber (wie ich finde, auch berechtigt) dass niemand Flauschutation als "mehr vom Gleichen" wahrnehmen wird.

Wer nun auf das gleichseitige Dreieck geklickt hat, das mittlerweile kulturübergreifend für "Abspielen" steht, der wird gleich bemerken dass das erste Stück seit Langem mal wieder ein Stück mit etwas Anderem als einem Klavier als Instrument ist. Gewöhnt euch nicht daran, das ändert sich nach einer Minute wieder, denn Walrus ist nur ein Opener, wie schon der weniger fantasievoll benannte Clowny Opener auf Flauschamination.

Zu Titel 2 darf sich der geneigte Zuhörer bzw. seine hoffentlich ebenso geneigte Fantasie beim Anhören aussuchen, ob die Sirenen in dieser Ballade die Kreaturen aus der griechischen Mythologie oder aber Tatütata sind. (Es gibt noch weitere Dinge, die Sirene heißen, wie z.B. ein Asteroid und bulgarischer Salzlakenkäse, aber das wäre jetzt sogar mir zu absurd.) Die Idee zu dieser Improvisation stammt aus der Aussage meiner Freundin Deni, dass man aus einer Sirene sicher keine Musik machen könne. Diese Herausforderung habe ich offensichtlich angenommen.

Nummer 3 ist eine der fröhlicher klingenden Improvisationen, die es zumindest meiner eigenen Wahrnehmung nach erst seit dem letzten Album in größerer Zahl aus meinem Hirn auf die Tasten schaffen. Wäre das Album ein Film, so wäre dieses Stück die Szene, in der klar wird, wie süß und herzensgut die Häschen trotz ihrer untoten Mutation doch sind. Ein paar kleine Häschen würden spielerisch am Drachen nagen und alles wäre knuffig. Da die Melodie meiner Liebsten so sehr gefiel, ist dieses Stück ihr ganz besonders gewidmet.

Das 4. Stück basiert auf derselben formalen Idee wie das Stück Drei Schritte auf dem ersten Album: ich nehme eine Idee und versuche sie in mehreren, distinktiv voneinander unterschiedlichen Settings zu spielen. In diesem Fall geschieht das hauptsächlich rhythmisch, weil das - wie schon in Drei Schritte - einfacher ist. Dass damit die Veränderungen im Leben eines aufwachsenden Kindes dargestellt werden könnten, war ein Gedanke der mir erst beim Hören der fertigen Improvisation kam.

Kleines Aside: Die Stücke von FlauschGAU sind manchmal und waren vor allem am Anfang vertonte Konzepte oder Szenen, manchmal aber eben auch eher formale Experimente, über deren Benennung ich erst nach der Fertigstellung entscheide. Wieder andere Stücke starten als musikalische Idee und entwickeln sich auch auf rein musikalischer Ebene zu Ende.

Stück Nummer 5 nimmt Bezug auf Menschen, die ihre Komfortzone verlassen und abgefahrene, coole oder ungewöhnliche Dinge tun. Dank Facebook bekommt man es mittlerweile auch mit, wenn Menschen aus dem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis diesen Schritt tun - daher dürften die meisten meiner Leser auch das Gefühl kennen, die Geschichten dieser Menschen zu hören - sei es, dass jemand Freiwilligendienst leistet (wie die großartige Slammerin Marsha Richarz) oder den von vielen gehegten Traum der Weltreise tatsächlich umsetzt (wie die großartige Autorin Jessica Wagener). Ich merke dann immer schnell, wie die erzählten Erlebnisse meine Komfortgrenze definitiv überschreiten - andererseits weiß ich aus eigener Erfahrung auch ein bisschen, wie es sich anfühlt das selbst zu tun. Dieses Gefühl habe ich versucht einzufangen - der Kontakt zu Menschen, die derartiges tun ist für mich immer etwas Besonderes gewesen.

Nummer 6 ist einer der in obigem Aside (die mit House of Cards vertrauten Leser kennen dieses Stilmittel) erwähnten Versuche, eine bildliche Szene musikalisch darzustellen - wer hinhört kommt hoffentlich auf dieselben Assoziationen wie ich - das Farben anmischen, das Malen des Hintergrunds mit "großen" Farben.... und so weiter.

Das 7. Stück gehört ebenfalls in diese Kategorie. Vertonte Elemente sind die Flussfeen, den Fluss auf seiner Reise begleiten, die Landschaft sowie der Fluss selbst, der sich ab und an mit den Feen um den musikalischen "Erzählstein" streitet... Das Thema "Flüsse in ihrem Verlauf" fasziniert mich, seit ich Ilja Trojanows An den inneren Ufern Indiens gelesen habe, in dem er von der Quelle bis zur Mündung reist - es ist auch bereits bei FlauschGAU einmal zu Musik geworden. Ob die genaue Anzahl der Flussfeen im Titel einer weitere Widmung darstellt, darf der geneigte Leser selbst herausfinden.

Von Glückseligkeit, die schon irgendwie gruselig ist, erzählt Stück Nummer 8. Das musikalische Thema hat etwas Heldenhaftes, und das ist die Quelle dieses Titels: wenn der Held seine Reise bestanden hat, hat er höchstwarscheinlich so einiges gesehen und getan, das man als Mensch nicht sehen und/oder tun will. So wird die Glückseligkeit des Helden gruselig - überspielt er seine Traumata nur, oder ist er selbst ein Monster und findet seine Untaten, seien sie auch im Namen des Guten geschehen, gar nicht schrecklich?

Mit einer ganz großen Geste beginnt das 9. Stück. Die Zeit, auf die der Titel Bezug nimmt, muss nur ein paar Jahrzehnte her sein, Hauptsache sie wurde schon zur goldenen Zeit verklärt. Wann genau das ist, hängt freilich vom Alter der Person ab, die man fragt. Damals war alles interessanter, einfacher, epischer - bunter eben.

Stück Nummer 10 stellt eine thematische Rückkehr zu meinen improvisatorischen Anfängen vor ca. 10 Jahren dar. Es muss wohl meine Emo-Phase gewesen, zumindest musikalisch - meine damaligen Stücke klingen oft schwermütig. Vielleicht wollte ich aber auch bloß Mädchen mit meiner Emotionalität beeindrucken, wahrscheinlicher ist aber, dass meine Spieltechnik noch nicht bereit war für fröhliche, schnelle Improvisationen. Wie auch immer der Grund, dieser Walzer (ja, Walzer! 3/4-Takt! Tanzbares, wenn auch schnelles Tempo!) fängt erneut die Melancholie musikalisch ein.

Der englische Ausdruck scatterbrain passt in seiner Verwirrtheit sehr gut zum 11. Stück, das ich mit einem Metronom und dem festen Vorsatz, auf einen durchgehenden Metronomschlag mehrere rhythmische Modi zu verbinden improvisiert habe. Die meisten rhythmischen Hänger sind hier gewollt. (Eine Ausrede, mit der man sich wunderbar aus handwerkliche Fehlern herauswinden kann - "das soll so!")

Das wohlige Gefühl, wenn man sich in eine Decke einkuschelt, bei Vorhandsein und Vorliebe auch wohlig an Partner/Haustier/Heizung, sollte den meisten Menschen wohlbekannt sein. Dann geht die äußere Welt an einem vorbei und man existiert nur in seiner kleinen Höhle. Wenn ich noch narzisstischer wäre als ich es eh schon bin, würde ich jetzt behaupten, dass Stück Nummer zwölf die Vertonung von Platons Höhlengleichnis ist, aber das wäre nun wirklich gelogen.

Wer kennt sie nicht, die großspurigen Heldengeschichten über jene, die weiter als je ein Mensch zuvor gingen und die höchsten Gipfel bezwangen. Den tone dieser verbrämten Sagen und Geschichten versuche ich im 13. Stück in musikalischem Ton einzufangen. Dass die als Unglückszahl stigmatisierte 13 auf diesem Album im Kontext mit den vielen Toten, die bei diesen Besteigungen "anfallen" auftritt, ist übrigens kein Zufall.

Dass es einen Opener gibt, ist ein strukturelles Element das ich vom vorigen Album übernommen habe - genauso wie das Element, dass das letzte Stück des Albums quasi als "Bonus" anders ist als der Rest des Albums. Wo bei Flauschamination aber erstmals eine Improvisation auf einer bekannten Melodie basierte, ist der Bonus diesmal... ich verrate nichts außer diesem Hashtag: #acousticpianopolkadance(Zum Zeitpunkt dieses Artikels hatte Google diesem Hashtag nichts zu erwidern. Nach der Publikation dieses Artikels sollte dieser Artikel also das erste und einzige Ergebnis sein. Gnihihi, das wollte ich immer schon mal schaffen!)
Jungle Drums ist stilistisch ein für mich sehr interessantes Experiment, wie mainstream das Klavier (unterstützt von einem Shaker und einer Cajon) in meinen Händen werden kann.


Eigentlich wollte ich gar nicht so viel schreiben, aber man hat mich angestiftet, als ich ein bisschen von meinen Gedanken hinter meiner Musik erzählte... Schuld auf jemand anderes abgewälzt: Check! (Und falls es jemandem gefallen sollte, wirke ich nach all der narzisstischen Prahlerei auch noch ein bisschen bescheiden... ich kann nur gewinnen!)

An dieser Stelle bleibt mir nur, den Menschen als Ganzes zu danken: Danke, dass ich durch euch in der Lage bin, die Musik aus meinem Hobbyprojekt zu veröffentlichen, und danke, dass ein paar von euch diese Musik dann sogar noch hören. Menschen sind super <3

Schlusshinweis: Beide Alben stehen, so wie man das von mir kennt, unter einer Creative-Commons-Lizenz. Viel Spaß beim kostenlosen und legalen Hören, Downloaden und Weiterverbreiten!